Fuego

Kommt her all ihr Leute

Christopher & Michael

# Titel Länge Musik / Text / Publisher Vorschau
1. Kommt her all ihr Leute (The Times They Are A-Changin') 3:06 Bob Dylan / Bob Dylan, Michael de la Fontaine, Christopher Sommerkorn / Special Rider Music
2. Intro zu: Regenlied 0:15 n/a / n/a / n/a
3. Regenlied (What Have They Done to the Rain) 2:55 Malvina Reynolds / Malvina Reynolds, Michael de la Fontaine, Christopher Sommerkorn / Schroder-Music Co
4. Cottonfields 2:57 Trad. / Trad. / n/a
5. Intro zu: Dumm-Dumm 0:25 n/a / n/a / n/a
6. Dumm-Dumm (Parodie auf einen Schlager) 1:27 Christian Bruhn, Drafi Deutscher / Rudolf Günter Loose / Nero Musikverlag
7. Blowin' in the Wind 3:05 Bob Dylan / Bob Dylan / Special Rider Music
8. Gipsy Rover 2:51 Trad. / Trad. / n/a
9. Intro zu: Mit dem Rücken an der Wand 0:19 n/a / n/a / n/a
10. Mit dem Rücken an der Wand 3:25 Michael de la Fontaine, Christopher Sommerkorn / Hans Weber / EMI Songs
11. Intro zu: Le Déserteur 0:40 n/a / n/a / n/a
12. Le Déserteur 3:31 Harold Bernard Berg, Boris Vian / Boris Vian / Editions Beuscher Arpege
13. Intro zu: Soll es denn niemals anders sein 0:05 n/a / n/a / n/a
14. Soll es denn niemals anders sein 2:55 Michael de la Fontaine, Christopher Sommerkorn / Michael de la Fontaine, Christopher Sommerkorn / April Musikverlag
15. Intro zu: Drill 'ye Tarriers 0:23 n/a / n/a / n/a
16. Drill 'ye Tarriers 3:06 Trad. / Trad. / n/a
17. Greenfields 3:03 Richard Dehr, Terry Gilkyson, Frank Miller / Richard Dehr, Terry Gilkyson, Frank Miller / Montclare Music Corp.
18. Wir sind am Ende (Eve of Destruction) 2:56 Steve Barri, Phil Sloan / Steve Barri, Phil Sloan, Michael de la Fontaine, Christopher Sommerkorn / MCA Inc.
19. Intro zu: We Shall Overcome 0:11 n/a / n/a / n/a
20. We Shall Overcome 3:12 Guy Huges Carawan, Frank Hamilton, Zilphia Horton, Peter Seeger / Guy Huges Carawan, Frank Hamilton, Zilphia Horton, Peter Seeger / Ludlow Music Inc.

Liner Notes

Producer: Lippmann + Rau

Das Folklore-Konzert mit Christopher & Michael wurde am 4. März 1966 im Cantate-Saal, Frankfurt am Main aufgenommen.
Ton: Hans Pfalzgraf
Grafik: Günther Kieser
Aufnahmeleitung: Horst Lippmann

Covertext:

»Der Cantate-Saal in Frankfurt war überfüllt, als Christopher & Michael am 4. März 1966 ihr Folklore-Konzertgaben«, schreibt die ›Offenbach Post‹: »Es waren so viele erschienen, dass weit über hundert Christopher- und Michael-Anhänger in den Gängen stehen mussten was ihrer Begeisterung jedoch keinen Abbruch tat. Mit dem Lied ›Kommt her, all ihr Leute‹ eröffneten Christopher und Michael ihr Konzert, rhythmisch exakt vorgetragen, klanglich und sprachlich sehr rein, wie überhaupt alle ihre Lieder von einer hohen Musikalität und Beherrschung der Gitarren zeugten. Hier spürte man, dass zwei junge Menschen singen und musizieren, die Freude an der Musik haben. Das Publikum wurde mitgerissen, es klatschte, pfiff und tobte vor Begeisterung, ob es nun bekannte Folklorelieder aus aller Welt waren oder ihre zeitkritischen, politisch aggressiven Lieder: die Absicht der beiden, die Zuhörer in ihren Vortrag mit einzubeziehen, wurde verstanden. Mit der Hymne an Frieden und Glück ›We shall overcome‹, melancholisch und sehr zart vorgetragen, beendeten Christopher & Michael ihr Konzert, das teilweise auf dieser Schallplatte festgehalten wurde.«
Es entsprach dem Wunsch von Christopher & Michael, aus der mit Perfektion verbundenen Studio-Atmosphäre auszubrechen und dort aufgenommen zu werden, wo die beiden Frankfurter Studenten ihre Laufbahn begannen und wo sie hingehören: vor ein Publikum. Denn die Lieder, die sie singen, suchen den direkten Kontakt zum Menschen, haben eine unmittelbare, direkte Botschaft und wollen so verstanden sein.
Christopher Sommerkorn und Michael de la Fontaine kennen sich seit etwa sieben Jahren. Seit vier Jahren singen und spielen sie zusammen. Lange bevor sie ihre ersten Schallplatten machten, zogen sie singend durch halb Europa. Sie scheuten keine Gelegenheit, sich zu engagieren, mit ihren Liedern den Kontakt zur Umwelt zu suchen: sei es mitten unter Gammlern auf dem verkehrsreichsten Platz in Frankfurt, der Hauptwache; oder in der mondänen, gesättigten Atmosphäre eines Night Club für Touristen in Italien. Beide sind sie deutscher Nationalität, aber sie sind nicht gewillt, an die deutsche Volksmusiktradition anzuknüpfen. Vielmehr sind Christopher & Michael bestrebt, der deutschen Folklore neue Impulse zu geben, sie aus dem Exil weltfremder Eichendorffromantik zu befreien und sie zu einem aktuellen Spiegel unserer Zeit und unserer Probleme zu machen. »Wir beziehen uns in erster Linie auf die moderne amerikanische Folklore, deren wichtigster Vertreter für uns heute Bob Dylan ist.« Christopher & Michael betrachten Bob Dylan als Dichter und sehen ihn nicht aus der Sicht vieler Schlagerzeitschriften, nämlich sentimental und märtyrerhaft. Aber trotz der Bewunderung für Bob Dylan lassen sich die beiden kaum mit jemandem vergleichen. »Wenn wir auch inhaltlich und klanglich Vorbilder haben, so sind wir doch bereit, jeden Impuls aufzunehmen, um unsere Musik und Aussage damit anzuregen und zu bereichern.« Sie wehren sich gegen den Begriff ›Protestsänger‹, denn »wir wollen nicht schockieren um des Protestes willen. Wir singen, weil wir glauben, dass unsere Lieder gehört werden sollten. ›Protestsänger‹, damit wird den erzürnten Spießern Gelegenheit gegeben, uns in eine bequeme Schablone zu pressen. Wir bringen auch keine messianische Heilsbotschaft, auch wenn man uns hin und wieder so sehen will. Vielmehr geben wir ein Kaleidoskop von Stimmungen wieder, von Freude, Nachdenklichkeit und Angst.«
Was Sie auf dieser Langspielplatte hören, ist etwa eine Hälfte eines Christopher- und Michael-Konzertes. Alle Stücke wurden so belassen, wie sie im Konzert zum Vortrag kamen, es wurde nichts ergänzt, nichts hinzugefügt, keine Tricks angewandt, um dies oder jenes technisch oder musikalisch ›aufzupolieren‹. Lediglich die Reihenfolge wurde auf Grund der ausgewählten Stücke neu zusammengestellt und an dem oft minutenlangen Beifall haben wir uns erlaubt, wesentliche Kürzungen vorzunehmen. Wir glauben, dass die Schlichtheit im Auftreten von Christopher & Michael, die Ehrlichkeit, mit der sie in ihren Liedern einen kleinen, bescheidenen Beitrag zum Zeitgeschehen leisten wollen, für sich spricht. Man hat oft beklagt, dass unsere Jugend ›desinteressiert‹ sei, dass es ihr an ›Leitbildern‹ und ›Idealen‹ mangele. Aber vielleicht haben sich nur die Ausdrucksmittel verändert, wurden heldische ›Leitbilder‹ objektiviert und ›zündende Ideale‹ durch die viel friedlichere, schlichtere Aussage ersetzt, die der Klang zweier Gitarren hat. Das mag manchem nicht viel sein, aber »soll es denn niemals anders sein« ?

Horst Lippmann


Über den Künstler

CHRISTOPHER & MICHAEL hinter diesem Gruppennamen verbargen sich Christopher Sommerkorn und Michael de la Fontaine. Ihre erste Schallplatte, eine Single, erschien 1965: die deutsche Version von Bob Dylans »Don’t think twice« und ihre Eigenkomposition »Soll es denn niemals anders sein«.
Obwohl lange vorher schon persönliche und musizierende Freunde, begann damit das bundesweite Interesse an den beiden Frankfurtern: was sie sangen, fiel genau in die Zeit beginnenden Unbehagens gerade junger Leute an gesellschaftlichen Zuständen Mitte der sechziger Jahre: Adenauer war gegangen, Ludwig Erhard wollte die formierte Gesellschaft, die Ostermärsche waren noch friedlich, aber massenhaft, die moralische Empörung gegen den Vietnamkrieg wuchs langsam.
Just in diesem Umbruch erschienen Christopher & Michael, hatten Spaß am Leben, an der Musik, vor allem an amerikanischen Folksongs - aber auch die Ambition, ihre eigenen Lieder zu machen. Dass dabei erst Peter, Paul and Mary und dann vor allem Bob Dylan mit seinen Texten ihre Vorbilder waren, ist unverkennbar; ihre Lebensfreude und ihr Selbstvertrauen war unerhört, und, einmal entdeckt, wehrten sie sich vehement gegen das Klischee von den »Protestsängern«, um ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Das ist ihnen spielend gelungen: in unzähligen Konzerten, auf kleinen und großen Bühnen, auf vier Singles und drei LP’s hatten Christopher & Michael in jener Zeit mehr Erfolg als viele alle anderen Interpreten dieser neuen deutschen Folklore. Eben dieser Erfolg trug ihnen auch Kritik ein der Gralshüter deutscher Folklore im Umkreis der Burg Waldeck: als zu populär, also zu leicht wurden sie damals empfunden.
Sie hätten weitermachen können, aber 1968 hörten sie auf dem Höhepunkt ihres Erfolges abrupt auf. Der Studentenprotest wurde jetzt auf den Straßen ausgetragen, und da kamen sich die beiden Soziologiestudenten auf der Bühne nicht mehr sinnvoll vor. Hinzu kamen Meinungsverschiedenheiten über die weitere musikalische und textliche Entwicklung. Das Duo »Christopher und Michael« gab es nicht mehr, zur Enttäuschung ihrer Anhänger.
Christopher und Michael waren damals populäre Vertreter einer Generation. Sie waren optimistisch und rebellisch, kritisch und respektlos. Die Entwicklung ist für beide dann getrennt weitergegangen.

Christopher Sommerkorn wurde Funk- und Fernsehjournalist, Dokumentarist vor allem im gesellschaftspolitischen Bereich; dafür erhielt er den Kurt-Magnus-Preis der ARD und den .Journalistenpreis Entwicklungspolitik’ des Bundesministeriums für Entwicklungshilfe. Er starb 2010 in Frankfurt.

Michael de la Fontaine produzierte noch zwei weitere Alben, allerdings unter eigenem Namen. 1969 studierte er in Frankfurt Soziologie, schrieb seine Diplomarbeit über Städteplanung und promovierte schließlich mit einer Arbeit über künstlerische Erfahrung. Er arbeitete als Leiter des Goethe-Instituts in verschiedenen Ländern.

Christopher & Michael’s Website | Alle Alben von Christopher & Michael | Siehe auch mehr von Michael de la Fontaine

FUEGO ID: 2367 | Album | Genre: Folk Liedermacher